4. september 2016

im winter krächzten raben über dem gefrorenen land

im frühling balzten sänger auf den zweigen der bäume

im sommer zwitscherten schwalben beim sausen in der luft

und jetzt?

jetzt üben nebeltropfen das aufsteigen über der wiese

noch fauchen schleiereulen sich ihre positionen zu

doch bald werden gänse und kraniche nach westen fliegen

dann ist herbst

und nach dem winter geht alles wieder von vorn los


21. august 2016

„und gott schuf die vögel, jeden nach seiner art, und er sah, dass es gut war.“

 an eiszeiten und winterkälte hat gott bei der genesis wohl nicht gedacht.

 gute reise, kleine schwalbe, hüte dich vor den fängern mit den netzen und vergiß nicht,

über der sahara hoch in den kühlen himmel zu steigen, wenn der heiße schirokko dir entgegenweht.

 tschüss, bis zum nächsten jahr...

 

 

 


31. juli 2016

müde mäuse mögen moderne menhire


17. Juli 2016

bevor ein trampel nach dem 8. november 2016 die einhundertvierundneunzig staaten des homo sapiens in ein chaos stürzt, werden, wie aus sicherer quelle verlautet, viele millionen angehörige der familie formicidae* dem tumben spuk ein ende machen.

 

*formicidae sind krieger, jäger, sammler, arbeiter, vieh- und pilzzüchter, die weltweit in unterschiedlich großen staaten leben; laut wikipedia verfügen sie über eine kollektive intelligenz und eusoziale kompetenz.

25. juni 2016

in diesen hellen nächten sollen zeichen schwirren, die sonst nicht sichtbar sind.

man kann, so sagt man, diese zeichen deuten, solange man noch kind.

in diesen hellen nächten sollen worte treiben, die sonst nicht hörbar sind.

man kann, so sagt man, diese worte lesen, solange man noch kind.

in diesen hellen nächten soll es düfte geben, die sonst nicht riechbar sind.

man kann, so sagt man, diese düfte schnuppern, solange man noch kind.

ach, wäre ich ein kind, ich würde beute machen,

und sie nach hause tragen zu meinen siebensachen.

 


10. juni 2016,

reisende, die wir in der zebrabar trafen, behaupteten, in

 der wüste sei es nächtens so still gewesen, dass sie das

 knirschen der sterne beim auseinanderstieben gehört hätten

 


              18. mai 2016

              es war einer der gewöhnlichen tage im mai,

                                 an dem regen und sonne einander abwechselten und der hagel in die apfelblüten fiel,

                                          die schnecken sich paarten und der bauer gülle fuhr, die milch überkochte,

                                              der kater einen vogel fing und der radiosprecher nur unheil ansagte,

                                                                                                                             als die poesie kam und die prosa verscheuchte.

 

 


10. mai 2016

lass treiben die zeit

wir schenken uns das gestern

hörst du den ruf der eule?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


                          1. mai 2016

                             Anfang Mai 1946, so hat es mir meine Großmutter viele Jahre später erzählt, habe sie von ihrer Schwester

                             aus Hamburg in einem Brief zwei Zeitungsausschnitte mit der Erzählung Hundeblume von Wolfgang Borchert

                             erhalten. Ebenso wie mich, habe die Schwester dazu geschrieben, wird auch dich diese Geschichte daran

                             erinnern, dass unser Bruder 1916 aus der Gefangenschaft nicht mehr heimgekehrt ist. Nur eines verstehe ich

                             nicht, habe die Schwester weiter ausgeführt, weshalb der Häftling die einzige auf dem Gefängnishof blühende

                             Hundeblume abgepflückt hat, denn dadurch musste sie sterben.

 

 

 


                                        24. april 2016

weil der wetterbericht kein ungewitter vorhersagte, oder das navi falsch programmiert war,

geraten so manche abenteurer in eine bedrohliche lage und können sie nur durch

allergrößte besonnenheit meistern; ist aber die gefahr vorüber, gilt es aufzubrechen zu

neuen ufern, obwohl gern behauptet wird, dass die schönsten reisen im kopf stattfinden.

 


                            17. april 2016

    21 uhr. guten abend. die nachrichten. zunächst die übersicht: integrationspflicht, eckpunkte, riesterrente:

    berlin;  erdbeben, ausnahmezustand: ecuador; ölfördermengendrosselung: katar; amtsenthebungsverfahren:

    brasilien;  einheitsregierung, milizen: libyen; fußball: bundesliga; wetter: deutschlandweit; staus: allerorten;

    berichte, features, kommentare: auf meiner erdabgewandten seite.

 

 


10. april 2016

1

abends, erklärte frederick, abends treibt sich der staub des tages in der luft herum.

menschenstaub und blumenstaub und sandstaub und tandstaub und feinstaub

und schweinstaub und … damit färbt die sonne den himmel ein.

auch unsere staubkörnchen …, seufzte piggeldy versonnen,

auch unsere staubkörnchen machen das abendrot. wie schön!


  30. märz 2016 

nichts weiter als ein

winziger augenblick

vor dem frühling

ohne die schwerkraft

der morgennachrichten

 


                                 21. märz 2016

der mann im mond ist ein riese,
der zur zeit der flut gebückt steht, weil
er dann wasser schöpft und auf die erde gießt.
zur zeit der ebbe aber steht er aufrecht und
ruht von seiner arbeit aus, damit sich das
wasser wieder verlaufen kann.